Anlass der Messungen – warum und wann mikrobiologische Untersuchungen notwendig sind
Das geeignete Messverfahren richtet sich stets nach dem Anlass der Untersuchung und den vor Ort vorgefundenen Schadensbildern. Zu den typischen Ausgangssituationen gehören:
- Sichtbare Schimmelschäden
- Materialfeuchte ohne sichtbar ausgeprägten Befall
- Bautechnische oder bauphysikalische Auffälligkeiten
- Gesundheitliche Beschwerden ohne sichtbaren Schimmel
- Geruchsbelästigungen ohne erkennbare Befallsquelle
- Kontrollmessungen während und nach Sanierungsarbeiten
Ziel jeder Schimmelpilzuntersuchung ist es, den tatsächlich vorhandenen mikrobiellen Befall hinsichtlich Art und Konzentration eindeutig festzustellen. Entscheidend für belastbare Ergebnisse ist die korrekte Auswahl des Messverfahrens.
Je nach Fragestellung können die einzelnen Messverfahren separat oder kombiniert durchgeführt werden.
Arten der Probennahme
Zu den gängigen Verfahren der mikrobiellen Diagnostik zählen:
- Entnahme von Materialproben aus sichtbar befallenen Bereichen
- Messung mittels Luftpartikelsammler (Gesamtsporen, auch abgestorbene Partikel)
- Abklatschverfahren zur direkten Oberflächenanalyse
- Raumluftproben zur Bestimmung von kultivierbaren und nicht kultivierbaren Sporen
Liegt ein nur vermuteter Schimmelbefall vor und können keine verwertbaren Oberflächenproben entnommen werden, bieten Raumluftproben eine zuverlässige Möglichkeit, die Konzentration und Zusammensetzung der Schimmelsporen zu bestimmen. Die Ergebnisse geben wertvolle Hinweise auf eine mögliche Befallsquelle.
Ist in Bauteilen eine erhöhte Feuchtigkeit feststellbar, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko eines mikrobiellen Befalls. Daher ist es wichtig, die Ausdehnung des Feuchte- und Schimmelpilzschadens umfassend zu erfassen. Je nach Situation können auch Materialproben außerhalb des feuchten Bereiches erforderlich sein, um verborgene oder sekundäre Befallsschwerpunkte auszuschließen.
Ist verdächtiges Material nicht belastet oder nicht zugänglich, können Luftkeimmessungen sinnvoll sein. Sie dienen dazu, einen mikrobiellen Befall im entsprechenden Objekt mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen oder Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen.
Ziel dieser Untersuchungen ist es, dass im Innenraum vorkommende Schimmelpilzspektrum möglichst vollständig zu erfassen. Bei Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen – etwa Atemwegsbeschwerden, Allergien, chronischen Entzündungen oder ungeklärten Symptomen – ist eine präzise Diagnostik der Innenraumluft besonders wichtig.
Sind Bereiche sichtbar von Schimmel befallen, entnehme ich eine Materialprobe direkt am verdächtigen Bauteil. Diese wird im Suspensionsverfahren ausgewertet. Dieses Verfahren ermöglicht eine detaillierte Bestimmung der vorhandenen Schimmelpilzarten, ihrer Konzentration und ihrer potenziellen Relevanz für die Gesundheit der Bewohner.
Ist kein sichtbarer Befall erkennbar, erfolgt eine kombinierte Raumluftuntersuchung, bestehend aus:
- Luftmessung (aktive Sporen, Bioaerosole)
- Luftpartikelsammlung (Gesamtsporen inklusive abgestorbener Partikel)
- Luftkeimmessung (kultivierbare Sporenfraktionen)
Durch diese Kombination werden sowohl aktive als auch abgestorbene Sporen zuverlässig erfasst. Auf dieser Grundlage ist eine gezielte medizinische Bewertung – beispielsweise durch Allergologen, Pneumologen oder Umweltmediziner – möglich.
Als Sachverständige führe ich Sanierungskontrollen durch, um den Erfolg einer Schimmelsanierung fachlich belastbar zu bewerten. Diese Untersuchungen können sowohl während der laufenden Sanierung – etwa zur Vermeidung einer Kontamination bislang unbelasteter Bereiche – als auch nach Abschluss der Sanierungsarbeiten erfolgen, um die aktuelle Schimmelpilzbelastung im Gebäude zuverlässig zu prüfen.
Sanierungskontrollen sind besonders empfehlenswert in sensiblen und stark frequentierten Objekten, darunter:
- Wohnräume von gesundheitlich vorbelasteten oder erkrankten Personen
- Kindergärten und Kindertagesstätten
- Arztpraxen und medizinische Einrichtungen
- Schulen und Hochschulgebäude
- Kinos, Veranstaltungs- und Versammlungsräume
- Büro- und Verwaltungsgebäude
- Krankenhäuser, Pflege- und Betreuungseinrichtungen
- Öffentliche Kantinen, Restaurants und Mensabereiche
Um den Sanierungserfolg objektiv beurteilen zu können, ist eine Raumluft-Partikelsammlung ein bewährtes Verfahren. Sie ermöglicht den Vergleich der Schimmelpilzbelastung vor, während und nach der Sanierung und liefert eine nachvollziehbare Dokumentation für Eigentümer, ausführende Firmen und Versicherungen.
Nicht sichtbare oder nur vermutete Schimmelpilzschäden lassen sich ausschließlich über die Raumluft nachweisen. Materialproben dienen ergänzend dazu, die vorhandenen Sporenarten zu bestimmen und eindeutig festzustellen, ob es sich bei einem Befall um Schimmelpilz handelt.


