Wie zuverlässig arbeitet ein Schimmelspürhund? – Möglichkeiten und Grenzen der Nasenarbeit
Ein professionell ausgebildeter Schimmelspürhund verfügt über einen außerordentlich leistungsfähigen Geruchssinn und kann mikrobielle Gerüche oftmals auch dort wahrnehmen, wo für den Menschen noch keine sichtbaren Auffälligkeiten erkennbar sind. Besonders bei verdeckten Schadensbereichen kann die Nasenarbeit deshalb wertvolle Hinweise liefern und die weitere sachverständige Untersuchung gezielt unterstützen.
Die Zuverlässigkeit eines Schimmelspürhundes hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab. Entscheidend sind unter anderem die Qualität der Ausbildung, die Geruchskonditionierung, der Trainingsstand des Hundes, die Erfahrung des Hundeführers sowie die Bedingungen am jeweiligen Einsatzort. Auch Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftströmungen, Lüftungsanlagen, offene Türen oder Hohlräume innerhalb der Baukonstruktion können die Geruchsausbreitung beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
- Der Hund zeigt Geruch – nicht automatisch den sichtbaren Schaden
- Die Stärke des Schimmelspürhundes liegt in der Eingrenzung
- Qualität von Hund und Hundeführer
- Warum Blindtraining so wichtig ist
- Fehlanzeigen und Nichtanzeigen
- Schimmelspürhund und technische Diagnostik ergänzen sich
- Die passive Anzeige erhöht die Nachvollziehbarkeit
- Regelmäßige Qualitätssicherung
- Möglichkeiten und Grenzen des Schimmelspürhundes
- Fachliches Fazit und Leitsatz
Der Hund zeigt Geruch – nicht automatisch den sichtbaren Schaden
Ein besonders wichtiger Grundsatz lautet:
Der Hund zeigt eine für ihn relevante Geruchswahrnehmung an. Er diagnostiziert keinen Bauschaden.
Eine Anzeige bedeutet deshalb zunächst, dass sich im betreffenden Bereich ein Geruch befindet, auf den der Hund konditioniert wurde. Die tatsächliche Ursache und genaue Lage eines möglichen mikrobiellen Befalls müssen anschließend fachlich überprüft werden.
Gerüche können beispielsweise über:
- Hohlräume,
- Installationsschächte,
- Fugen,
- Deckenaufbauten,
- Wandkonstruktionen,
- Lüftungsanlagen
- oder thermische Luftströmungen
transportiert werden.
Die Stelle, an der der Hund den Geruch besonders deutlich wahrnimmt, muss daher nicht zwingend mit dem ursprünglichen Entstehungsort des Schadens identisch sein.
Die Stärke des Schimmelspürhundes liegt in der Eingrenzung
Die besondere Stärke eines Schimmelspürhundes liegt darin, große Flächen schnell auf geruchlich auffällige Bereiche zu überprüfen. Gerade bei verdeckten Schadenssituationen kann dies helfen, weiterführende Untersuchungen wesentlich gezielter vorzunehmen.
Anstatt beispielsweise großflächig Wand- oder Bodenaufbauten zu öffnen, können zunächst einzelne Verdachtsbereiche eingegrenzt und anschließend mit weiteren Untersuchungsverfahren überprüft werden.
Der Hund kann damit einen wichtigen Beitrag zu einer möglichst zielgerichteten und substanzschonenden Diagnostik leisten.
Qualität von Hund und Hundeführer
Die Zuverlässigkeit der Sucharbeit darf niemals ausschließlich anhand des Hundes beurteilt werden.
Hund und Hundeführer bilden ein Team. Der Hundeführer muss seinen Hund sehr genau kennen und dessen Körpersprache sicher interpretieren können. Bereits kleine Veränderungen im Suchverhalten können darauf hinweisen, dass der Hund Geruch aufgenommen hat.
Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass ein Hund durch seinen Hundeführer unbewusst beeinflusst wird. Blickrichtung, Körperhaltung, Leinenführung oder das wiederholte Heranführen an eine bestimmte Stelle können die Sucharbeit beeinflussen.
Professionelle Ausbildung und regelmäßige Qualitätssicherung müssen deshalb immer das gesamte Team berücksichtigen.
Warum Blindtraining so wichtig ist
Ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung sind Blind- und möglichst auch Doppelblindübungen.
Beim Blindtraining kennt der Hundeführer die Position der Geruchsquelle nicht. Dadurch wird verhindert, dass er den Hund unbewusst zur richtigen Stelle führt.
Beim Doppelblindtraining kennt weder der Hundeführer noch eine unmittelbar beteiligte Person im Suchbereich die Position der Probe. Erst nach Abschluss der Suche wird überprüft, ob die Anzeige korrekt war.
Solche Trainingsformen sind besonders wertvoll, weil sie eine möglichst objektive Beurteilung der tatsächlichen Suchleistung ermöglichen.
Fehlanzeigen und Nichtanzeigen
Auch ein sehr gut ausgebildeter Schimmelspürhund ist ein biologisches System und kein technisches Messgerät.
Es können Situationen entstehen, in denen ein Hund eine Geruchsquelle nicht anzeigt oder einen Bereich auffällig findet, ohne dass anschließend unmittelbar ein sichtbarer Schimmelbefall nachgewiesen werden kann.
Mögliche Ursachen können beispielsweise sein:
- ungünstige Luftströmungen,
- sehr geringe Geruchskonzentrationen,
- schwer zugängliche Konstruktionen,
- Erschöpfung oder nachlassende Konzentration,
- Fremd- oder Störgerüche,
- unzureichende Trainingsgeneralisation,
- Fehler in der Führung,
- oder eine bereits zurückliegende beziehungsweise verdeckte mikrobielle Belastung.
Eine einzelne Anzeige sollte deshalb niemals isoliert betrachtet werden.
Schimmelspürhund und technische Diagnostik ergänzen sich
Die zuverlässigste Beurteilung entsteht durch die Kombination verschiedener Untersuchungsmethoden. Hierzu können gehören:
- Sichtprüfung,
- Feuchtemessungen,
- bauphysikalische Untersuchungen,
- Thermografie,
- Schimmelspürhund,
- gezielte Bauteilöffnungen,
- Materialproben,
- Oberflächenproben
- und gegebenenfalls Laboranalytik.
Jedes dieser Verfahren liefert unterschiedliche Informationen. Der Schimmelspürhund besitzt dabei eine besondere Fähigkeit: Er kann Geruchsinformationen wahrnehmen, die mit klassischen technischen Messgeräten nicht unmittelbar erfasst werden können.
Umgekehrt kann der Hund weder den Feuchtegehalt eines Bauteils messen noch die Art und das Ausmaß eines Schadens abschließend bewerten.
Die passive Anzeige erhöht die Nachvollziehbarkeit
Bei SH-Immo&partner wird bewusst mit einer ruhigen, passiven Anzeige gearbeitet. Der Hund zeigt einen geruchlich auffälligen Bereich kontrolliert an, ohne die Oberfläche durch Kratzen oder Scharren zu verändern.
Dadurch bleibt die mögliche Fundstelle weitgehend unverändert und kann anschließend sachverständig dokumentiert, untersucht oder gegebenenfalls beprobt werden.
Regelmäßige Qualitätssicherung
Ein zuverlässiger Schimmelspürhund benötigt während seiner gesamten Einsatzzeit regelmäßiges Training. Hierzu gehören unter anderem:
- Wiederholung bekannter Geruchsbilder,
- neue Trainingsproben,
- unterschiedliche Baustoffe,
- Negativproben,
- Störgerüche,
- wechselnde Gebäude,
- Blindtests,
- Kontrolle der Anzeigequalität
- sowie die Dokumentation der Trainingsleistungen.
Die Ausbildung endet daher nicht mit der Einsatzfähigkeit des Hundes. Vielmehr handelt es sich um einen fortlaufenden Qualitätsprozess.
Möglichkeiten und Grenzen des Schimmelspürhundes
Möglichkeiten des Schimmelspürhundes
Ein professionell geführter Schimmelspürhund kann insbesondere:
- verdeckte geruchliche Auffälligkeiten lokalisieren,
- größere Bereiche systematisch absuchen,
- Verdachtsstellen eingrenzen,
- Untersuchungen gezielter machen,
- unnötige Bauteilöffnungen möglicherweise reduzieren,
- und zusätzliche Informationen zur Beurteilung eines Schadens liefern.
Grenzen des Schimmelspürhundes
Ein Schimmelspürhund kann dagegen nicht allein:
- die Ursache eines Feuchteschadens feststellen,
- die genaue Pilzart bestimmen,
- eine quantitative Belastung ermitteln,
- eine Laboranalyse ersetzen,
- einen bauphysikalischen Schaden bewerten,
- oder die gesundheitliche Bedeutung eines Befundes abschließend beurteilen.
Diese Aufgaben bleiben Bestandteil der sachverständigen Untersuchung.
Fachliches Fazit
Die Zuverlässigkeit eines Schimmelspürhundes sollte weder überschätzt noch unterschätzt werden. Seine besondere Stärke liegt in der hochsensiblen Wahrnehmung und Lokalisierung geruchlicher Auffälligkeiten. Richtig ausgebildet und professionell geführt kann er ein außerordentlich wertvoller Bestandteil der Schimmeldiagnostik sein.
Die größte Aussagekraft entsteht jedoch dann, wenn die Nasenarbeit mit bauphysikalischer Untersuchung, Feuchtemessung, sachverständiger Erfahrung und gegebenenfalls mikrobiologischer Laboranalytik kombiniert wird.
Der Schimmelspürhund ersetzt die Sachverständigendiagnostik nicht – er erweitert sie um eine außergewöhnlich leistungsfähige biologische Detektionsmethode.
Leitsatz:
„Die Nase des Hundes zeigt uns, wo wir genauer hinschauen sollten. Erst die sachverständige Untersuchung erklärt, warum.“
