Welche Schimmelarten kann ein Schimmelspürhund erkennen?
Ein professionell ausgebildeter Schimmelspürhund kann auf verschiedene schimmeltypische Geruchsmuster konditioniert werden. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass der Hund keine Schimmelpilzart „bestimmt“ wie ein mikrobiologisches Labor. Er reagiert vielmehr auf charakteristische Geruchsstoffe, die im Zusammenhang mit mikrobiellem Wachstum entstehen.
Im Training werden deshalb gezielt unterschiedliche Schimmelpilzkulturen und belastete Materialien eingesetzt. Der Hund lernt schrittweise, relevante Geruchsmuster von unbelasteten Materialien und anderen Alltagsgerüchen zu unterscheiden.
Zu den in Innenräumen häufig vorkommenden beziehungsweise diagnostisch relevanten Schimmelpilzgattungen gehören beispielsweise:
- Aspergillus
- Penicillium
- Cladosporium
- Alternaria
- Chaetomium
- Acremonium
- Stachybotrys
Je nach Ausbildungskonzept können weitere Gattungen oder mikrobiell belastete Materialien in die Geruchsbibliothek des Hundes aufgenommen werden.
Inhaltsverzeichnis
- Nicht nur die Pilzart ist entscheidend
- Warum Negativproben wichtig sind
- Trockene und feuchte Schäden
- Kann der Hund sagen, welche Schimmelart vorliegt?
- Warum mehrere Trainingsgerüche sinnvoll sind
- Der Schimmelspürhund erkennt Geruchsbilder – keine lateinischen Namen
- Fazit und Leitsatz
Nicht nur die Pilzart ist entscheidend
Für die spätere Schimmelsuche ist jedoch nicht allein die Anzahl der trainierten Pilzarten entscheidend. In realen Gebäuden treten Schimmelpilze meist nicht als isolierte Reinkulturen auf. Häufig findet man Mischpopulationen verschiedener Mikroorganismen auf unterschiedlichen Baustoffen.
Der Hund muss deshalb lernen, schimmeltypische Geruchsmuster unter sehr unterschiedlichen Bedingungen zu erkennen.
Ein mikrobieller Befall auf:
- Holz,
- Gipskarton,
- Tapete,
- Dämmstoffen,
- Estrich,
- Putz
- oder Mauerwerk
kann ein anderes Gesamtgeruchsbild erzeugen als dieselbe Pilzart auf einem anderen Untergrund.
Aus diesem Grund ist die sogenannte Generalisierung ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung. Der Hund soll nicht nur eine einzelne Laborprobe wiedererkennen, sondern den relevanten Zielgeruch auch auf unterschiedlichen Materialien und unter wechselnden Umweltbedingungen sicher identifizieren.
Warum Negativproben wichtig sind
Ebenso wichtig wie belastete Trainingsproben sind unbelastete Vergleichsproben.
Ein professioneller Schimmelspürhund sollte beispielsweise lernen, zwischen:
- belasteter Mineralwolle und sauberer Mineralwolle
oder
- mikrobiell belastetem Holz und gesundem Holz
zu unterscheiden.
Dadurch wird verhindert, dass der Hund versehentlich auf den Geruch eines bestimmten Baustoffes anstatt auf den mikrobiellen Zielgeruch konditioniert wird.
Auch typische Störgerüche aus Gebäuden sollten regelmäßig in das Training integriert werden.
Trockene und feuchte Schäden
Ein weiterer wichtiger Ausbildungsaspekt besteht darin, unterschiedliche Zustände eines Schadens zu berücksichtigen.
Mikrobiell belastete Bauteile können aktuell feucht sein, aber ebenso aus einem bereits zurückliegenden Wasserschaden stammen und inzwischen wieder getrocknet sein. Ein guter Schimmelspürhund sollte deshalb nicht ausschließlich auf den Geruch aktueller Feuchtigkeit reagieren.
Ziel der Ausbildung ist vielmehr, die geruchlichen Hinweise mikrobieller Aktivität beziehungsweise vorhandener mikrobieller Belastung zu erkennen.
Kann der Hund sagen, welche Schimmelart vorliegt?
Nein.
Eine Hundeanzeige erlaubt keine sichere Aussage darüber, welche konkrete Pilzart oder Gattung vorhanden ist.
Wenn eine Artbestimmung erforderlich ist, muss eine geeignete Probe entnommen und mikrobiologisch beziehungsweise molekularbiologisch im Labor untersucht werden.
Der Schimmelspürhund beantwortet daher vor allem die Frage:
„Gibt es in diesem Bereich einen für den Hund relevanten mikrobiellen Geruch?“
Das Labor kann anschließend – je nach Untersuchungsverfahren – beantworten:
„Welche Mikroorganismen befinden sich tatsächlich in der Probe?“
Diese beiden Verfahren erfüllen unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich.
Warum mehrere Trainingsgerüche sinnvoll sind
Je breiter die Geruchserfahrung des Hundes aufgebaut wird, desto besser kann er später unterschiedliche reale Schadenssituationen bewältigen.
Dabei gilt jedoch nicht automatisch: Je mehr Pilzarten, desto besser.
Entscheidend ist die Qualität des Trainings. Einige sauber konditionierte, gut dokumentierte und regelmäßig überprüfte Zielgerüche sind wesentlich wertvoller als eine große Zahl schlecht kontrollierter Trainingsproben.
Professionelle Ausbildung bedeutet deshalb:
- definierte Trainingsproben,
- unterschiedliche Schimmelpilzgerüche,
- verschiedene Baustoffe,
- Negativproben,
- Störgerüche,
- unterschiedliche Feuchtezustände,
- regelmäßige Wiederholungen
- und kontinuierliche Qualitätssicherung.
Der Schimmelspürhund erkennt Geruchsbilder – keine lateinischen Namen
Für die fachliche Einordnung ist dieser Punkt besonders wichtig:
Der Hund kennt keinen Aspergillus, Penicillium oder Stachybotrys im biologischen Sinn. Er lernt Geruchsmuster.
Diese Geruchsmuster können aus einer Vielzahl flüchtiger Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen bestehen und zusätzlich durch Baustoff, Feuchtigkeit, Temperatur und Alter des Schadens beeinflusst werden.
Die besondere Leistung des Hundes besteht darin, diese komplexen Geruchsinformationen auch in einer Umgebung mit zahlreichen anderen Gerüchen wiederzuerkennen und räumlich einzugrenzen.
Fazit und Leitsatz
Ein professionell ausgebildeter Schimmelspürhund kann auf eine Vielzahl schimmeltypischer Gerüche trainiert werden. Entscheidend ist jedoch nicht allein die Zahl der verwendeten Pilzarten, sondern die Fähigkeit des Hundes, relevante mikrobielle Geruchsmuster unter realistischen Bedingungen sicher zu generalisieren und von unbelasteten Materialien sowie Fremdgerüchen zu unterscheiden.
Die Hundeanzeige liefert dabei einen wichtigen Hinweis auf einen möglichen verdeckten mikrobiellen Befall. Die genaue Bestimmung der vorhandenen Mikroorganismen bleibt Aufgabe geeigneter Laboruntersuchungen.
Leitsatz:
„Der Schimmelspürhund bestimmt keine Pilzart – er erkennt den Geruch eines mikrobiellen Schadens und zeigt dem Sachverständigen, wo eine weitere Untersuchung sinnvoll sein kann.“
