Schimmelspürhund oder Messgerät? – Welche Untersuchungsmethode ist wann sinnvoll?
Bei der Untersuchung von Feuchte- und Schimmelschäden stellt sich häufig die Frage, ob technische Messgeräte oder ein Schimmelspürhund die bessere Wahl sind. Aus fachlicher Sicht lässt sich diese Frage jedoch nicht pauschal beantworten. Beide Methoden liefern unterschiedliche Informationen und sollten deshalb nicht als Konkurrenz, sondern als sich ergänzende Werkzeuge verstanden werden.
Inhaltsverzeichnis
- Was leisten technische Messgeräte?
- Was kann der Schimmelspürhund?
- Warum der Hund kein Messgerät ersetzt
- Wann ist der Schimmelspürhund besonders sinnvoll?
- Wann sind Messgeräte besonders wichtig?
- Ein Beispiel aus der Praxis
- Laboranalytik als dritte Ebene
- Keine Methode sollte isoliert betrachtet werden
- Der Sachverständige entscheidet über die Untersuchungsstrategie
- Fazit und Leitsatz
Was leisten technische Messgeräte?
Technische Messverfahren ermöglichen es, bestimmte physikalische Größen objektiv zu erfassen. Dazu gehören beispielsweise:
- Materialfeuchte,
- relative Luftfeuchtigkeit,
- Oberflächen- und Lufttemperaturen,
- Temperaturverläufe,
- Wärmebrücken,
- Taupunktbedingungen,
- Luftströmungen
- oder langfristige Raumklimadaten.
Feuchtemessgeräte und bauphysikalische Untersuchungen helfen insbesondere dabei, die Ursache eines Schadens einzugrenzen. Sie können beispielsweise Hinweise darauf liefern, ob eine Wand durchfeuchtet ist, ob Kondensationsbedingungen vorliegen oder ob eine konstruktive Wärmebrücke das Schimmelrisiko erhöht.
Technische Messgeräte können jedoch nicht unmittelbar feststellen, ob sich hinter einer Wand oder innerhalb eines Hohlraumes tatsächlich ein mikrobieller Befall befindet.
Was kann der Schimmelspürhund?
Der Schimmelspürhund nutzt eine völlig andere Informationsquelle: den Geruch.
Professionell ausgebildete Hunde können auf Geruchsmuster konditioniert werden, die mit mikrobiellem Wachstum verbunden sind. Dadurch können sie auch Bereiche auffällig finden, an denen äußerlich zunächst keine sichtbaren Hinweise auf Schimmel vorhanden sind.
Gerade bei verdeckten Schäden kann dies ein erheblicher Vorteil sein. Der Hund kann beispielsweise Hinweise liefern auf mögliche Belastungen:
- hinter Trockenbauwänden,
- unter Bodenaufbauten,
- innerhalb von Installationsschächten,
- hinter Wandverkleidungen,
- unter Einbaumöbeln
- oder in schwer zugänglichen Bauteilkonstruktionen.
Warum der Hund kein Messgerät ersetzt
Eine Anzeige des Hundes beantwortet jedoch nicht die Frage, warum ein Schaden entstanden ist.
Der Hund kann weder den Feuchtegehalt eines Bauteils messen noch eine Wärmebrücke berechnen oder eine Undichtigkeit technisch nachweisen.
Deshalb gilt:
Der Hund lokalisiert einen geruchlich auffälligen Bereich – technische Untersuchungen helfen dabei, die Ursache zu erklären.
Gerade diese Kombination kann besonders wirkungsvoll sein.
Wann ist der Schimmelspürhund besonders sinnvoll?
Der Einsatz eines Schimmelspürhundes bietet sich insbesondere dann an, wenn:
- ein verdeckter Schimmelbefall vermutet wird,
- unangenehme oder muffige Gerüche vorhanden sind, ohne dass die Ursache sichtbar ist,
- nach einem früheren Wasserschaden unklar ist, ob noch mikrobiell belastete Bereiche vorhanden sind,
- große Flächen gezielt eingegrenzt werden sollen,
- unnötige Bauteilöffnungen möglichst vermieden werden sollen
- oder technische Messungen allein keine eindeutige Erklärung liefern.
Wann sind Messgeräte besonders wichtig?
Technische Messverfahren sind unverzichtbar, wenn:
- die Feuchteursache geklärt werden muss,
- der Feuchtegehalt eines Bauteils beurteilt werden soll,
- Wärmebrücken untersucht werden,
- Raumklimabedingungen bewertet werden,
- Kondensationsrisiken geprüft werden
- oder ein Schaden bauphysikalisch eingeordnet werden soll.
Ein Beispiel aus der Praxis
Angenommen, ein Bewohner nimmt in einem Schlafzimmer einen muffigen Geruch wahr. Sichtbarer Schimmel ist jedoch nicht vorhanden.
Eine Feuchtemessung zeigt zunächst keine eindeutig auffälligen Werte an der sichtbaren Wandoberfläche.
Der Schimmelspürhund zeigt jedoch wiederholt im Sockelbereich einer Trockenbauwand an.
Daraufhin wird der betreffende Bereich gezielt weiter untersucht. Eine Bauteilöffnung oder Materialprobe kann anschließend klären, ob sich innerhalb der Konstruktion tatsächlich ein mikrobieller Schaden befindet.
Dieses Beispiel zeigt:
Der Hund kann helfen, den Untersuchungsbereich einzugrenzen – die technische und sachverständige Diagnostik klärt anschließend Ursache und Umfang.
Laboranalytik als dritte Ebene
Neben Hund und Messtechnik kann je nach Fragestellung eine Laboruntersuchung erforderlich sein. Material-, Oberflächen- oder Luftproben können dazu beitragen, vorhandene Mikroorganismen genauer zu charakterisieren.
Damit ergeben sich drei unterschiedliche diagnostische Ebenen:
- Schimmelspürhund: Wo befindet sich möglicherweise ein geruchlich auffälliger Bereich?
- Technische Messung: Welche bauphysikalischen Bedingungen oder Feuchteursachen liegen vor?
- Laboranalytik: Welche mikrobiellen Bestandteile befinden sich gegebenenfalls in einer Probe?
Erst die Kombination dieser Informationen ermöglicht häufig eine umfassende Beurteilung.
Keine Methode sollte isoliert betrachtet werden
Ein häufiger Fehler besteht darin, einem einzelnen Untersuchungsverfahren zu viel Aussagekraft zuzuschreiben.
Eine Feuchtemessung kann unauffällig sein, obwohl innerhalb einer Konstruktion ein älterer mikrobieller Schaden vorhanden ist. Umgekehrt kann der Hund einen relevanten Geruch wahrnehmen, obwohl der tatsächliche Ursprung aufgrund von Luftströmungen an einer anderen Stelle liegt.
Auch eine Laborprobe beschreibt grundsätzlich nur das untersuchte Material beziehungsweise den jeweiligen Probenahmepunkt.
Deshalb muss jedes Ergebnis im Gesamtzusammenhang bewertet werden.
Der Sachverständige entscheidet über die Untersuchungsstrategie
Eine professionelle Schimmeluntersuchung beginnt daher nicht mit der Frage:
„Hund oder Messgerät?“
Sie beginnt vielmehr mit der Frage:
„Welche Untersuchungsmethode liefert für die konkrete Fragestellung die benötigte Information?“
Der Sachverständige entscheidet anhand von Schadensbild, Baukonstruktion, Vorgeschichte und Nutzung des Gebäudes, welche Verfahren sinnvoll miteinander kombiniert werden.
Fazit
Schimmelspürhund und technische Messgeräte erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Messgeräte liefern objektive bauphysikalische Daten. Der Schimmelspürhund ergänzt diese Untersuchungen um eine außergewöhnliche biologische Geruchswahrnehmung und kann insbesondere bei verdeckten Schadenssituationen wertvolle Hinweise liefern.
Die höchste Aussagekraft entsteht daher nicht durch die Entscheidung für eine einzelne Methode, sondern durch deren fachgerechte Kombination.
Leitsatz:
„Nicht Hund oder Messgerät entscheidet über die Qualität einer Schimmeluntersuchung – entscheidend ist, dass für jede Fragestellung das richtige Werkzeug eingesetzt wird.“
Bei SH-Immo&partner wird die Schimmelspürhundearbeit deshalb als Bestandteil einer umfassenden sachverständigen Diagnostik verstanden und mit bauphysikalischen Messungen sowie – sofern erforderlich – gezielten Laboruntersuchungen kombiniert.
