Ein Tag im Einsatz mit einem Schimmelspürhund – Von der Anfahrt bis zur Dokumentation

Ein Einsatz mit einem Schimmelspürhund beginnt lange bevor der Hund den ersten Raum betritt.

Bereits vor der Anfahrt werden die vorhandenen Informationen zum Objekt geprüft: Gibt es bekannte Feuchteschäden? Wurde bereits saniert? Sind Geruchsauffälligkeiten vorhanden? Welche Räume sollen untersucht werden? Gibt es Besonderheiten in der Nutzung oder im Gebäudebestand?

Diese Informationen helfen dabei, den späteren Einsatz sinnvoll zu strukturieren. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass der Hund während der Suche nicht durch Erwartungen oder Vorannahmen des Menschen beeinflusst wird.

Inhaltsverzeichnis

Die Anfahrt gehört bereits zum Einsatz

Auch die Anfahrt ist Teil eines professionellen Arbeitstages.

Der Hund soll möglichst ruhig und ausgeruht am Objekt ankommen. Lange Fahrten, hohe Temperaturen oder andere Belastungen müssen deshalb in die Einsatzplanung einbezogen werden.

Nach der Ankunft erhält der Hund zunächst die Möglichkeit, sich zu orientieren, sich zu lösen und in Ruhe auf die bevorstehende Arbeit einzustellen.

Ein konzentrierter Suchhund beginnt seine Arbeit nicht aus Unruhe heraus, sondern aus einem möglichst ausgeglichenen Zustand.

Vorbesprechung mit dem Auftraggeber

Vor Beginn der eigentlichen Suche findet in der Regel eine kurze Besprechung statt. Dabei können beispielsweise folgende Punkte geklärt werden:

  • Vorgeschichte des Schadens,
  • bekannte Wasserschäden,
  • bereits durchgeführte Sanierungen,
  • auffällige Gerüche,
  • bekannte Schimmelstellen,
  • betroffene Räume
  • und Besonderheiten der Gebäudenutzung.

Wichtig ist dabei die Trennung zwischen der Information, die der Sachverständige für seine fachliche Bewertung benötigt, und der Information, die den Hundeführer während der Suche unbewusst beeinflussen könnte.

Gerade bei professioneller Suchhundearbeit sollte die Gefahr einer Erwartungsbeeinflussung möglichst gering gehalten werden.

Begehung und Sicherheitsprüfung

Bevor der Hund eingesetzt wird, sollte der Suchbereich zunächst auf mögliche Gefahren überprüft werden.

Dazu gehören unter anderem offene Schächte, scharfkantige Bauteile, Glasscherben, elektrische Gefahren, aggressive Chemikalien oder andere Risiken.

Auch die räumlichen Bedingungen werden betrachtet: Sind alle Räume zugänglich? Gibt es starke Luftströmungen? Sind Lüftungsanlagen in Betrieb? Befinden sich andere Tiere im Gebäude?

Diese erste Orientierung dient sowohl der Sicherheit des Hundes als auch der Planung eines strukturierten Suchablaufs.

Der Beginn der Suche

Der eigentliche Sucheinsatz sollte möglichst ruhig beginnen.

Der Hund erhält einen klaren Arbeitsauftrag und beginnt, den vorgesehenen Bereich systematisch geruchlich zu untersuchen. Dabei arbeitet er weitgehend eigenständig.

Der Hundeführer sorgt für einen sinnvollen Suchrahmen, darf dem Hund jedoch nicht die Lösung vorgeben.

Gerade darin liegt eine der anspruchsvollsten Aufgaben des Hundeführers: führen, ohne zu beeinflussen.

Körpersprache lesen

Während der Suche beobachtet der Hundeführer seinen Hund sehr genau.

Eine Geruchsquelle zeigt sich häufig nicht erst durch die endgültige passive Anzeige. Schon vorher können feine Veränderungen auftreten, beispielsweise:

  • Veränderung des Suchtempos,
  • intensiveres Einatmen,
  • veränderte Kopfhaltung,
  • mehrfaches Kontrollieren eines Bereiches,
  • kurzes Verharren
  • oder eine auffällige Änderung der Bewegungsrichtung.

Diese Signale müssen richtig eingeordnet werden. Nicht jedes Interesse ist bereits eine Anzeige.

Erst das zuvor klar trainierte Anzeigeverhalten gilt als eindeutige Markierung eines geruchlich auffälligen Bereiches.

Die passive Anzeige

Bei SH-Immo&partner wird bewusst mit einer passiven Anzeige gearbeitet.

Der Hund kratzt oder scharrt nicht an einer Fundstelle, sondern zeigt einen auffälligen Bereich ruhig und eindeutig an. Dadurch bleibt die Bausubstanz geschützt und die Stelle kann anschließend gezielt dokumentiert und weiter untersucht werden.

Für den Hundeführer ist dieser Moment besonders wichtig. Die Aufgabe besteht darin, die Anzeige korrekt zu erkennen, zu bestätigen und anschließend die Position möglichst genau festzuhalten.

Pause gehört zur Arbeit

Eine professionelle Schimmelspürhundesuche besteht nicht aus einer ununterbrochenen Suche über mehrere Stunden.

Geruchsarbeit verlangt vom Hund eine sehr hohe Konzentration. Deshalb gehören Pausen fest zum Einsatzablauf.

Während dieser Zeit kann der Hund:

  • trinken,
  • sich lösen,
  • entspannen
  • und mental von der Sucharbeit abschalten.

Die Qualität der nächsten Suchsequenz ist wichtiger als die Anzahl der bereits abgesuchten Räume. Gerade bei größeren Gebäuden wird die Untersuchung deshalb sinnvoll in einzelne Suchabschnitte gegliedert.

Der Hund bestimmt teilweise das Arbeitstempo

Ein guter Hundeführer hält sich nicht starr an eine Uhr. Er beobachtet seinen Hund.

Wenn Konzentration, Motivation oder Suchqualität nachlassen, kann eine Pause erforderlich sein – auch wenn der ursprünglich geplante Suchabschnitt noch nicht vollständig abgeschlossen wurde.

Umgekehrt kann ein gut eingearbeiteter Hund einen Bereich unter günstigen Bedingungen sehr konzentriert und effizient absuchen. Der Einsatzplan muss deshalb flexibel bleiben.

Nach einer Anzeige beginnt die technische Untersuchung

Die Anzeige des Hundes ist nicht das Ende der Untersuchung. Sie ist häufig vielmehr der Ausgangspunkt für die nächste diagnostische Stufe.

Der Sachverständige kann den auffälligen Bereich anschließend beispielsweise untersuchen durch:

  • Feuchtemessungen,
  • Oberflächentemperaturmessungen,
  • Thermografie,
  • bauphysikalische Bewertung,
  • gezielte Bauteilöffnung,
  • Material- oder Oberflächenproben
  • oder Laboranalytik.

Dabei wird geprüft, ob sich die Hundeanzeige mit weiteren Befunden in einen plausiblen Zusammenhang bringen lässt.

Luftströmungen berücksichtigen

Besonders wichtig ist die Frage, wie sich Gerüche im Gebäude ausbreiten.

Der Hund kann einen Geruch an einer Stelle wahrnehmen, obwohl sich der eigentliche Ursprung innerhalb eines Hohlraumes oder einige Entfernung davon befindet.

Gerüche können beispielsweise über:

  • Installationsschächte,
  • Hohlräume,
  • Fugen,
  • Trockenbaukonstruktionen,
  • Bodenaufbauten
  • oder Luftströmungen

transportiert werden.

Deshalb darf eine Hundeanzeige niemals rein geometrisch als exakte Position des Schadens interpretiert werden. Die bauphysikalische Bewertung bleibt entscheidend.

Dokumentation jeder relevanten Anzeige

Eine professionelle Suchhundearbeit muss nachvollziehbar dokumentiert werden. Dazu können je nach Auftrag gehören:

  • Raumbezeichnung,
  • Lage der Anzeige,
  • Uhrzeit oder Suchsequenz,
  • Foto der betreffenden Stelle,
  • Markierung im Grundriss,
  • besondere Suchbedingungen,
  • Raumklima,
  • erkennbare Luftströmungen,
  • auffälliges Verhalten des Hundes
  • und anschließend durchgeführte Untersuchungen.

Wichtig ist außerdem, Beobachtung und Interpretation voneinander zu trennen.

Beispielsweise:
„Der Hund zeigt im Sockelbereich der Nordwand passiv an.“ ist zunächst eine Beobachtung.

„Dort befindet sich ein aktiver Schimmelschaden.“ wäre dagegen bereits eine Bewertung, die weitere Untersuchungen erfordert.

Diese klare Trennung ist für eine sachverständige Dokumentation besonders wichtig.

Auch eine Nichtanzeige wird berücksichtigt

Nicht nur positive Anzeigen können für die Untersuchung relevant sein. Auch Bereiche, die vom Hund sorgfältig abgesucht wurden, ohne dass eine Anzeige erfolgte, gehören zum Gesamtbild.

Eine Nichtanzeige ist allerdings kein absoluter Beweis dafür, dass innerhalb einer Konstruktion keinerlei mikrobieller Schaden vorhanden sein kann.

Auch hier müssen Baukonstruktion, Luftströmung, Zugänglichkeit und weitere Messbefunde berücksichtigt werden.

Abschluss der Sucharbeit

Nach Abschluss der letzten Suchsequenz ist die Arbeit für den Hund beendet. Ein professioneller Abschluss sollte für ihn klar erkennbar sein.

Die Sucharbeit endet damit nicht einfach abrupt, sondern der Hund erhält ein eindeutiges Ende seiner Arbeitsphase und anschließend Ruhe beziehungsweise eine positive Entlastung.

Gerade für die langfristige Motivation ist wichtig, dass der Hund seine Arbeit nicht als endlose Belastung erlebt.

Die eigentliche Arbeit geht danach weiter

Während der Hund nach dem Einsatz bereits ruht, beginnt für den Sachverständigen häufig ein weiterer wesentlicher Teil des Arbeitstages.

Fotos werden ausgewertet, Messwerte kontrolliert, Grundrisse ergänzt und gegebenenfalls Laborproben versendet.

Anschließend müssen sämtliche Informationen zusammengeführt werden:

  • Was hat der Hund angezeigt?
  • Welche technischen Auffälligkeiten wurden festgestellt?
  • Welche bauphysikalische Erklärung ist plausibel?
  • Sind weitere Untersuchungen erforderlich?

Erst aus diesem Gesamtbild entsteht eine belastbare fachliche Bewertung.

Ein Schimmelspürhund arbeitet niemals allein

Auch wenn der Hund mit seiner Nase eine außergewöhnliche diagnostische Fähigkeit besitzt, ist ein professioneller Einsatz immer eine Teamleistung.

Der Hund übernimmt die Geruchssuche. Der Hundeführer beobachtet und führt. Der Sachverständige bewertet Gebäude, Baukonstruktion und Schadensursache. Und gegebenenfalls ergänzt das Labor die Untersuchung um mikrobiologische Ergebnisse.

Gerade das Zusammenspiel dieser verschiedenen Ebenen macht die Schimmelspürhundearbeit fachlich besonders wertvoll.

Fazit

Ein Einsatztag mit einem Schimmelspürhund besteht aus wesentlich mehr als der eigentlichen Suchzeit. Vorbereitung, Anfahrt, Objektbegehung, Sicherheitskontrolle, strukturierte Suchsequenzen, Pausen, passive Anzeigen, technische Folgeuntersuchungen und eine sorgfältige Dokumentation bilden gemeinsam einen professionellen Ablauf.

Leitsatz:
„Der Hund liefert mit seiner Nase einen wichtigen Hinweis – aus diesem Hinweis eine fachlich belastbare Aussage zu entwickeln, ist die Aufgabe des gesamten Sachverständigenteams.“

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Die Ausbildung eines Schimmelspürhundes ist ein fortlaufender Prozess. Sorgfältige Auswahl, konsequentes Training und regelmäßige Qualitätssicherung bilden die Grundlage für professionelle Sucheinsätze.